Interview mit Fotograf Martin Rohrmann
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Wie begannst Du zu fotografieren?
Bevor ich mich entschloss Fotografie zu studieren, habe ich schon lange als Hobby fotografiert. Mein Vater und meine Geschwister fotografierten, wenn auch nicht auf professionellem Niveau. In meinem Elternhaus gab es eine Dunkelkammer, in der man auch Farbfotos entwickeln konnte. Die digitale Fotografie gab es damals noch nicht und so lernte ch Dinge wie das Entwickeln von Filmen, Anfertigung von Handabzüge, Abwedeln und Nachbelichten.
Nach meinem Abitur, einer kaufmännischen Ausbildung, einem langen Aufenthalt in Asien, beschloß ich zunächst Filmregie zu studieren, verwarf das aber aus diversen Gründen und machte schließlich die Aufnahmeprüfung um Fotojournalismus zu studieren. In meinem Studium liegt der Schwerpunkt im Bereich Fotoreportage und Reise, ein Bereich der einem als Fotografen große Möglichkeiten gibt sich auszuprobieren, zu experimentieren und seine eigene Bildsprache zu entwickeln. Weniger als in anderen Genres der Fotografie, spielt hierbei der Fotograf als Individum eine große Rolle, mehr als beispielsweise im Bereich Portrait- oder Werbefotografie -wobei das natürlich auch nicht zuverallgemeinern ist.
Deine Fotokunst für Dich ist …
Das Wort Kunst sagt mir nicht viel. Ich sehe mich nicht als Künstler. Ich finde heute ist das Wort “Kunst” schwammiger denn je. Heute will jeder Künstler sein. Ich gucke welche Intention hinter den Arbeiten einer Person stecken, ob es mich konzeptuell und ästhetisch anspricht. Lieber fotografiere ich mal ein halbes Jahr über nichts, als dass ich irgendwelchen Murks mache oder etwas präsentiere, wo ich nicht hinter stehe.
Du bist in verschiedenen Bereichen der Fotografie tätig. Welche magst Du am liebsten? Warum?
Es ist sehr schwer die Balance zu halten zwischen kommerziellen Arbeiten, also Aufträgen die auch eher unanspruchsvolle Arbeiten mit sich bringen, als auch der eigenen Linie treu zu bleiben, also bei Projekten, die einem am Herzen liegen, mit denen man sich identifizieren kann. Grundsätzlich ist aber jedes Genre interessant und die Herausforderung etwas eher Uninteressantes gut zu machen, macht die Sache nie langweilig. Es ist eigentlich immer so: Je mehr Freiheiten man bei einem Projekt/Auftrag hat, desto mehr Spaß macht das Ganze. Und mit dem Spaß kommt das Einzigartige. Je mehr man einen guten Fotografen einschränkt, desto schlechter wird das Ergebniss.
Was genau willst Du auf Deinen Fotos festhalten?
Das kommt natürlich immer auf die Thematik an. Etwas Subjektives. Nicht das, was es war, sondern wie ich es gesehen hab. Nicht so wie es der Wahrheit entspricht, sondern so wie es für mich erschien.
Wo sind die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk? Und ist es wichtig, beides voneinander zu unterscheiden?
Wiegesagt, den Begriff Kunst finde ich sehr schwammig und mag ihn auch nicht. Aber um etwas kunstvolles zu schaffen, etwas das nicht einfach nur ein Zufallsprodukt ist, braucht es solides Handwerk. Ich selbst spiele in meiner Freizeit Klavier und da braucht es ungemein viel Handwerk, so zu spielen, wie man wirklich spielen will. Wer das Handwerk beim Klavierspielen nicht beherrscht, es motorisch oder von der Geschwindkeit her nicht schafft, bspw. eine Tonleiter zu spielen, der kann das Lied nicht so interpretieren und spielen, wie er es wirklich will. Es geht dann einfach nicht. Bei der Fotografie ist es ähnlich; wer das Instrument, also die Kamera nicht beherrscht, wird die Ergebnisse nie bewußt beeinflussen können. Hinzu kommt der Faktor Zeit.
Ich denke, jemand der über einen langen Zeitraum kontinuierlich hochwertig arbeitet, versteht sein Handwerk. Das ist dann keine Eintagsfliege. Auch halte ich es für wichtig, dass sich eine eigene Linie, ein visueller Stil heraus kristalisiert. Es gibt Fotografen, die fotografieren heute so, morgen so. Keine eigene Linie, kein Stil. Das nennt sich dann “vielseitig und wandelbar”, aber ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so toll ist. Für mich käme das nicht in Frage, auch wenn man als Fotograf natürlich immer ein Stück weit gezwungen ist, sich bspw. Kunden- oder Redaktionswünschen anzupassen.
Was begeistert Dich?
Fotografien die mutig sind, die etwas Neues an sich haben, die sich nicht 100% ernst nehmen aber durchaus ernste Absichten haben. Fotografien die respektvoll sind. Leider geht der Trend immer mehr Richtung “je vulgärer, je schockiger desto besser”. Ich habe beispielsweise mal einen Portraitserie über einen Verstorbenen gemacht, der von einem Bestatter zur Aufbahrung hergerichtet wurde. Viele Leute reagierten auf diese meine Fotos schockiert und unwirsch. Dabei waren meine Fotos sehr anrührend und menschlich. Paradoxerweise empfinden dieselben Leute beispielsweise Frontalaufnahmen irgendwelcher Geschlechtsorgane oder extremer sexueller Darstellungen als normal. Für mich eine völlig verzerrte Sicht. Mich würde es begeistern, wenn Betrachter von Fotos nicht mehr so auf platte Effekte reinfallen würden.
Was fällt Dir beim Fotografieren am Schwersten?
Einen langen Atem zu haben. Geduld. Etwas langfristig zu sehen.
Wer ist Dein(e) Lieblingsfotograf(in)?
Hab ich nicht. Ich hab auch keine Lieblingsband oder Lieblingsmaler.
Es gibt immer wieder einzelne Sachen die ich von einzelnen Personen großartig finde, aber vielen Arbeiten derselben Person nichts abgewinnen kann.
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