Interview mit Fotograf Norbert Hayo

Wie begannst Du zu fotografieren?
In meinem Elternhaus hatten wir eine Olympus 35 Kleinbildsucherkamera. Mit etwa sechszehn Jahren begann ich damit zu fotografieren. Mit achtzehn habe ich mir dann eine Spiegelreflexkamera gekauft, eine Revueflex mit 50mm Objektiv. Aber eigentlich habe ich mich schon früher für Fotografie interessiert. Ich erinnere mich, dass ich schon als Kind immer und immer wieder unsere Fotoalben mit diesen schönen alten Schwarzweißfotografien angeschaut habe. Ich konnte mich nie daran satt sehen, es ging ein beständiger Reiz von ihnen aus.
Zur Zeit arbeite ich übrigens mit einer Mamiya RZ Pro II, also analog, und einer Canon EOS 30D, die demnächst durch eine EOS 5D Mark II ersetzt wird. Für den künstlerischen Bereich bevorzuge ich nach wie vor die analoge Technik. Sie kommt meiner Vorstellung eines Originals noch immer am nächsten. Außerdem liebe ich die handwerklich-materielle Arbeit und die besondere Ausstrahlung des Films.

Deine Fotografie ist für dich…
Ich denke, bin ein sehr visueller und sensitiver Mensch. Die Welt ist für mich voller Bilder, die ich mit der Kamera festhalten kann.

Du beschäftigst dich mit Fotografie und Malerei, wo liegt für dich der Unterschied zwischen diesen Mitteln die Welt darzustellen?
Vielleicht sollte ich erst einmal die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ausdrucksformen betonen, bevor ich die Unterschiede hervorhebe. Beides sind Möglichkeiten, ein zweidimensionales, unbewegtes Bild zu schaffen, das zu einer längeren Betrachtung einlädt. Dieses kontemplativ-betrachtende Element ist mir sehr wichtig. Ich stelle mir meine Bilder, egal ob Malerei oder Fotografie, stets als Wandbild vor. Aber während die Fotografie ein wichtiges Mittel der Welterforschung und der Darstellung subjektiver Weltsicht ist,- ein Foto ist ja immer eine persönliche Auswahl aus den unendlichen Möglichkeiten, die die Wirklichkeit als Motiv bietet,- geht es mir in der Malerei viel mehr um Erinnerung an Gesehenes,- ich male daher fast nie nach Vorlagen und betone das Subjektive durch eine mehr oder weniger starke Abstraktion und Expressivität. Meinen Fotos dagegen sagt man übrigens häufig eine malerische Qualität nach. Es beeinflusst sich also auf unergründliche Weise alles gegenseitig.

Was genau willst Du auf Deinen Fotos festhalten?
Ich beschäftige mich in der Fotografie meistens mit bestimmten Themen und arbeite gerne in Serien. Darüber hinaus finde ich Portraits immer wieder spannend. Zur Zeit interessieren mich Stillleben und ich lese viel über Cézanne, Morandi und Chardin.

Was kann in Arbeiten anderer Fotografen Dein Interesse wecken?
Ich finde, man spürt sehr schnell, ob ein Fotograf über sein Thema nachgedacht hat und es konsequent weiterverfolgt. Wenn ich das erkenne, bin ich meistens sehr fasziniert.

Wer ist Dein(e) Lieblingsfotograf(in)?

Da gibt es so viele! Für das 19. Jahrhundert nenne ich mal Nadar und Margaret Cameron. Dann Richard Avedon (Portraits), Bernd und Hilla Becher, Thomas Struth, Nan Goldin, Robert Mapplethorp, Jeff Wall, Edward Weston, Stephen Shore, usw.usw. In letzter Zeit bin ich gerade auf die Arbeiten von Reto Rigassi aufmerksam geworden: Nach der Belichtung wirft er seine Filme in Meerwasser. Salzwasser und Sand führen dann zu sehr interessanten Effekten auf dem Film. So etwas gefällt mir sehr.

Was fällt Dir beim Fotografieren am Schwersten?
Die fotografischen Klischees zu vergessen.

Welche Ratschläge könntest Du Anfängern geben?
Das ist natürlich nicht ganz einfach, da es viele Arten von Fotografie gibt. Für Modefotografen gelten wohl andere Gesetze als für Naturfotografen oder Fotojournalisten. Also sollte man erst einmal entscheiden, wohin man eigentlich will und was die eigenen Interessen sind. Ich denke, man wird in einem fotografischen Thema nur dann sehr gut, wenn man sich spezialisiert und sich ein möglichst umfassendes Wissen dazu aneignet. Darüber hinaus sollte man viel experimentieren, um zu neuen Ansichten und ‚unverbrauchten‘ Bildern zu kommen.

Zur Internetseite von Norbert Hayo

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