Interview mit Fotograf Severin Koller

Deine Fotografie für dich ist
Wahrscheinlich die wichtigste Konstante meines Daseins.

Du betreibst einen Blog über Straßenfotografie, ist das dein Lieblingsbereich der Fotografie?
Mein Blog ist nicht speziell auf Street fokussiert. Ich habe mich 2006 dazu entschieden, alle Fotos die mich persönlich interessieren oder mit meinem Leben zu tun haben in einen chronologisch narrativen Blog zu stellen. Das war noch vor Facebook. Flickr finde ich bis heute zu unübersichtlich. Vor lauter Euphorie über das unerwartet große Interesse habe ich anfangs mehrmals die Woche gepostet ohne Rücksicht auf Umfang und Inhalt zu nehmen.
Dafür habe ich heute keine Zeit mehr, daher kann ich nur noch alle 2 bis 3 Wochen Neues hochladen. Ein Eintrag nimmt inklusive Filme selbst entwickeln, scannen, Bildformat aendern, hochladen, sortieren und schreiben um die 20 Stunden Arbeit in Anspruch, machmal mehr, das ist schwer zu sagen. Bei der Selektion habe ich mich irgendwann entschieden den Fokus mehr auf Street zu setzen und die Fotos aus meinem engeren persönlichen Umfeld zu reduzieren, da ich es als weniger relevant für die Öffentlichkeit einschätze.
Prinzipiell habe ich mein Interesse das anfangs der Architektur galt bald auf Menschen gerichtet. Portraits habe ich mir lange nicht zugetraut, also habe ich angefangen, mein Leben und das anderer eher spontan als inszeniert zu dokumentieren. Ich bin prinzipiell der Meinung, dass in der Fotografie keine Portraits existieren da es nur Momentaufnahmen von Menschen in diversen Situationen und Kontexten sind. Es geht um genau diese Momente, die entweder Kommunikation einfangen oder eine Szene, jedoch niemals eine Person selbst – sondern wie sie auf einen wirkt.
Für mich stellt der größte Reiz in der Fotografie das Festhalten (im englischen „capture“) von nicht Wiederkehrendem dar.

Was benötigt man deiner Meinung nach für eine gute Straßenfotografie?
Eine Kamera mit der man in jeder Situation bereit ist, die Dinge so einzufangen, wie man sie wahrnimmt. Das ist natürlich bei jeder/jedem verschieden. Ich kann nicht sagen, welches System oder welche Herangehensweise die beste ist. Das muss jede/r für sich selbst herausfinden. Ich habe viele Varianten probiert habe mich für das Leica Sucherkamera System entschieden.
Straßenfotografie funktioniert instinktiv. Ständige Aufmerksamkeit und fotografische Routine sind Vorraussetzung. Ich richte mich dem was um mich geschieht und suche nicht bewusst nach bestimmten Situationen.

Viele Fotos von dir wurden in Amerika aufgenommen, womit beschäftigst du dich dort?
Das ergibt sich aus meinen Reisen. Dieses Jahr war ich 2 Wochen in New York, dem Mekka der Street Fotografie. Ich habe dort in dieser relativ kurzen Zeit so viele gute Fotos gemacht wie sonst in einem Jahr. Das hatte ich mir aber auch zum Ziel gesetzt.

Hast du weitere Ziele in Bezug auf Fotografie?
Mein wohl größtes Ziel ist es, dass eines Tages mit meinem Namen und meiner Arbeit ein bestimmter Stil der Fotografie assoziiert wird. Anerkennung von jenen, die meine Arbeit zu schätzen wissen, ist mir wichtiger als die der breiten Masse. Ich will niemandem meine Arbeit aufzwingen. Popularität hat in der Kunst für mich nichts verloren, dafür gibt es die Popkultur. Es ist wichtig zu wissen ,wo man steht und in welcher Welt man sich bewegt.

Was kann in Arbeiten anderer Fotografen Dein Interesse wecken?
Mich interessiert eine eigene Herangehensweise an das Medium. Authentizität ist dabei am wichtigsten.  Ästhetik und Technik sind für mich nur Mittel zum Zweck, die zum Konzept der Arbeit passen müssen. Es langweilt mich nichts mehr als schöne Fotos ohne Tiefsinn. Umgekehrt halte ich nichts von angedichteten Konzepten, die Fotografien eine Daseinsberechtigung verleihen sollen.
Die Art der Präsentation sollte der Arbeit einen Raum geben, in dem sie sich entwickeln kann.

Wer ist Dein(e) Lieblingsfotograf(in)?
So etwas gibt es für mich nicht, Personenkult liegt mir fern. Anders verhält es sich bei der Wertschätzung für einzelne Kunstwerke an sich. Da gibt es jedoch zu vieles, als dass ich mich festlegen könnte. Kunst funktioniert nur während des Rezipierens. Eine Ausstellung ist für mich erfolgreich, wenn der/die KünstlerIn mit mir über die Arbeit kommuniziert. Mir das passierte dies zuletzt bei Kenneth Josephson in einer New Yorker Gallery.

Welche Websites besuchst du regelmäßig?
Keine spezifischen. Für Straßenfotografie kann ich http://www.in-public.com empfehlen.

Deine Freunde kommen aus anderer Stadt, sie waren nie in Wien. Was zeigst Du ihr als Erstes?
Das entscheide ich spontan.

Zur Internetseite von Severin Koller


2 total comments on this postSubmit yours
  1. sehr schönes interview und auch fotos … ich liebe street photography !!!

  2. sehr schön anzusehen

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