Interview mit Fotograf Gregoire Cachemaille

Deine Fotografie für Dich ist …
Am Anfang war es für mich nur ein Hobby. Wie viele Andere habe ich zuerst mit einer Kompakt-Kamera angefangen, ich wollte nur meine Reisen und besondere Momente festhalten. Langsam habe ich aber mehr Kontrolle über meine Fotos haben wollen, und diese Kameras sind nicht für diesen Zweck gebaut. Ich wusste nicht ob eine größere Spiegel-Reflex Kamera für mich das Richtige wäre, ich hatte schon Angst dass es meine Freiheit behindern würde, aber das hat mir ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Dieses Hobby ist langsam eine Leidenschaft, und gleichzeitig eine notwendige Aktivität geworden. Das ist meine Art, mich zu entspannen: durch die Stadt laufen, nach interessanten Motiven zu suchen und mir vorzustellen, wie das fertige Bild aussehen wird. Ich habe meine Kamera immer bei mir: bleibe ich zu lange ohne sie, werde ich nervös!

Womit beschäftigst Du Dich beruflich (falls Fotografie nicht Dein Beruf ist)?
Eigentlich bin ich Informatiker, derzeit in einer großen Arzneimittelforschungs firma in Berlin. Das hat also auf den ersten Blick wenig mit Fotografie zu tun, aber in der Digital-Ära ist Computer-Wissen auch in vielen Aspekten der Fotografie nützlich, von der Bearbeitung von RAW Dateien bis zum Druck. Mit Computern gut umgehen zu können ist für die Fotografie auf jeden Fall praktisch.

Was genau willst Du auf Deinen Fotos festhalten?
Die Stadt, wie ich sie sehe. Die kleinen versteckten Ecken, an denen man jeden Tag vorbei läuft, ohne sie zu merken. Oder die Spuren der Geschichte, der Vergangenheit, die jeden Tag ein bisschen verschwinden und sich mit der Gegenwart mischen. Es gibt so viele interessante Gebäude um uns herum, die haben alle eine Geschichte zu erzählen. Ich probiere nur mich von ihrer Atmosphäre zu erfüllen und sie wieder auf meine Fotos wieder einzutragen.

Wie suchst Du solche einzigartigen Objekte für die Aufnahme?
Manche Objekte finde ich bei einem Spaziergang. Ich gehe aber selten einfach so rein: Ich habe es lieber, erstmal die Hintergründe des Objekts zu recherchieren, was es früher war, wird das Objekt heutzutage noch benutzt… Recherche ist auch wichtig um andere Objekte zu finden, das Internet ist dafür eine echte Goldgrube! Andere Fotografen die sich auch für solche Motive interessieren, persönlich kennen zu lernen ist natürlich auch eine große Hilfe, da die schönsten Objekte auch nicht so gern weitergegeben werden: Es dauert in der Stadt nie lange, bis ein verlassenes Gebäude durch blinde Zerstörungswut völlig verfallen ist. Man versucht also zu vermeiden, dass die falschen  Leute davon erfahren.

Auf welches Foto bist Du stolz?
Am Tag als ich dieses Foto gemacht habe, war ich mit zwei Bekannten unterwegs, wir waren auf der Suche nach einem verlassenen Gelände, und nicht wirklich sicher welchem Weg wir folgen sollten. Irgendwie sind wir über ein altes Krankenhaus gestolpert und haben uns entschieden, es zu erkunden. Leider war der ganze Komplex wie die meisten solcher Gebäude: nur eine unendliche Reihe von leeren Räumen und entkernten Fluren. Wir wollten wieder aufbrechen als wir endlich diese OP-Lampe und den Stuhl gefunden haben. Das war so ein großartiges Gefühl, wie einen Schatz gefunden zu haben! Diese vergessene Lampe in diesem verfallenen Raum, das perfekte Motiv! Ich sah bestimmt genau so aus, wie ein Kind, das das größte Überraschungs-Ei der Welt gefunden hat! 🙂

Was fällt Dir beim Fotografieren am Schwersten?
Straßenfotografie, mit Menschen. Es fällt mir immer noch so schwer, Unbekannte anzusprechen, und ihre Erlaubnis zu bekommen, sie fotografieren zu dürfen. Das hat überraschenderweise während meiner letzten Reise durch Japan ziemlich gut funktioniert, obwohl die Japaner extrem schüchtern sind. Aber vielleicht auch deswegen: manche haben sich bestimmt gar nicht getraut, meine Bitte abzulehnen… Ich glaube ich kann auf jeden Fall bessere Objekte als Menschen fotografieren: Gebäude haben nichts dagegen, sie bewegen sich nicht, man kann sich soviel Zeit nehmen, wie man will (oder bis sie abgerissen werden). Aber ich liebe Straßenportraits, also werde ich trotzdem nach diesem Ziel streben.

Welche Plätze in Berlin begeistern Dich?
Die kleinen Nebenstraßen, der Hof hinter der Tür, eine Brücke in der Nacht… Es gibt überall unentdeckte Ecken, auch in der Straße durch die man jeden Tag läuft. Ich will immer wissen, was es hinter dieser Wand gibt, wie die Straße aus einer neuen Perspektive aussieht. Berlin hat auch eine tolle Architektur, alt und neu: es ist wirklich die ganze Stadt, die mich inspiriert, und ohne Berlin hätte ich bestimmt nie so eine Leidenschaft für Fotografie entwickelt.

Weitere Fotos von Greg Cachemaille


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