Interview mit Fotograf Markus Paul Müller

Markus Paul Müller ist ein konzeptioneller Fotograf aus Berlin. Seine aktuellen Arbeiten „Unbewusste Orte in Europa“ und „Täterblick -Ausschnitte eines Lebens“ werden ab dem 11. Juni 2010 in der Abschlussausstellung des Lette-Vereins Berlin gezeigt (www.wieadamundeva.de).



Deine Fotografie ist für Dich …
ein künstlerisches Kommunikationsmedium, das den Widerspruch zwischen Wahrheit und Realität aufzeigt. Die Realität ist ein objektiver Zustand, der direkt in jeder Fotografie abgebildet wird. Die Wahrheit jeder Fotografie hängt von der jeweiligen Perspektive des Betrachters ab. Meine Aufgabe als Fotograf ist die Realität so darzustellen, dass aus ihr die Wahrheit direkt abgeleitet werden kann und nicht die Folge einer zufälligen Interpretation ist.

An welchen Projekten arbeitest Du jetzt?

Zur Zeit arbeite ich an zwei Projekten: mein aktuelles Projekt „Täterblick -Ausschnitte eines Lebens“ zeigt den Blick eines Intensivtäters aus Berlin, der in den 80er und 90er Jahren in Kreuzberg kriminell war. Diese Arbeit zeigt mit Hilfe von Fotografien, O-Töne und einem Videointerview seine Perspektive. Für die Zukunft ist geplant mein Bildband „Unbewusste Orte in Europa“ fortzuführen. Bisher habe ich zwölf europäische Hauptstädte besucht, um alltägliche und zugleich unbekannte Situationen zu fotografieren.

In diesem Jahr absolvierst Du das Studium der Fotografie, hast du etwas wichtiges für Dich entdeckt?

In meiner Studienzeit habe ich viele Genres ausprobiert und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mit meiner Fotografie Aussagen treffen möchte. Der Wert einer Fotografie liegt nicht in der Darstellung an sich, sondern in der Aussageintensität. Die Wirkung einer Fotografie ist kein Zufallsprodukt und darf es nicht sein.

Was genau willst Du auf Deinen Fotos festhalten?

Meine Erkenntnis aus der Situationen, die ich fotografiert habe.
Was inspiriert Dich?
Wissen und Recherche. Am Anfang steht eine Idee, die gründlichst im Detail ausgearbeitet wird und alle damit  im Zusammenhang stehenden Informationen recherchiert werden. Im Wege der Recherche erfährt diese Grundidee eine wesentliche Bereicherung, die dann schließlich in meiner Fotografie ausgedrückt werden können. Die Idee ist damit kein festes Gebilde, sondern folge einer Inspiration der Recherchearbeit.

Welche Rolle spielt Fotografie in der zeitgenössischen Gesellschaft?

Die Frage fällt mir ehrlich gesagt ziemlich schwer, weil ich weder Ausstellungen, die zeitgenössische Fotografien zeigen, besuche, noch mich in Magazinen darüber informiere. Ich finde den Ablauf der Entwicklung der Fotografie und dessen Geschichte wunderbar, jedoch ist die momentane Zeit so verwirrend und unklar, dass ab den 70er Jahren meiner Meinung nach die Fotografie keiner Meinung und Überzeugung für einen längeren Zeitraum treu geblieben ist. Die Fotografie als Kunst oder Massenmedium hat es schwer ihr eigentliches Potenzial zu zeigen. Der Grund dafür ist die Schnelligkeit innerhalb der Fotografie. Sie führt dazu, dass vor allem junge Fotografen in einer unglaublich kurzen Zeit unendlich viele Motive und Projekte realisieren, ohne sich tatsächlich Zeit für Inhalt und Wirkung zu nehmen.
„Unbewusste Orte in Europa“


zur Internetseite von Markus Paul Müller


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