Interview mit Fotograf Thomas Böttcher

Deine Fotografie ist für Dich…
meine Form Entspannung und Kreativität zu erfahren. Ich sitze beruflich an einem Schreibtisch und gehe in Bits und Bytes auf. Die logische Konsequenz, der reinen Logik zu entfliehen, führte mich zur Fotografie. Es war ein langer Weg bis ich selbst das Gefühl hatte auch kreative Bilder schaffen zu können. Oder um es auf die Musik zu übertragen, ich hörte anfangs nur die typische Mainstreammusik, die alltäglich durch die Radiosendern zwischen 08:00 und 20:00 Uhr auf uns einprasselt. Heute höre ich auch Jazz…

Warum fotografierst  Du analog?
Ich fotografiere analog, weil ich keine digitale Kamera besitze. Zum anderen sehe ich keinen Grund darin, mir eine digitale Kamera zu kaufen, so lange ich mit meinen analogen Kameras meine Bilder so machen kann, wie ich es möchte.
Hinzu kommt noch dieses besondere Überraschungsgefühl. Wie sagte die Mutter von Forrest Gump es so treffend.  „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt“. Ganz so ist es in der analogen Fotografie nicht aber ein wenig. Sie arbeiten an einer Fotoserie und mit der Zeit sammeln sich etliche Filme an. Das eine oder andere Bild ist noch fest im Gedächtnis, viele andere entgleiten zeitweise dem zuständigen Hirnstamm. Doch dann kommt der Tag, an dem ich anfange die Filme zu entwickeln. Also, die Filme immer zu zweit in der Dose, Entwickler rein…stoppen…fixieren. Nach dem Wässern kommen die Filme aus der Spule und man wirft den ersten neugierigen Blick auf die einzelnen Bilder und plötzlich finden man eins dieser Bilder aus dem Gedächtnis wieder und auch der Hirnstamm gibt die anderen verloren geglaubten Bilder wieder frei. Dies ist jedes mal der gleiche „schöne“ Gefühl, dass ich nicht missen möchte.

Welche Fototechnik benutzt Du jetzt?
Begonnen hat alles mit einer F90X aus dem Hause Nikon. Heute mache ich meine Bilder, ja nach dem wie das Gefühl und die Laune ist, mit:F4F90XM6MPMat124GClick Clack503CWHolgaLC-ASX-70Actionsampler…und wer weiß, was sich noch dazu gesellen wird.
Und manchmal, wenn ich mich nicht entscheiden kann, wird der Rucksack voll gemacht und ich entscheide vor Ort, welche Kamera zum Einsatz kommt.
Die zweite elementare Frage, die ich mir stellen muss ist, ob ich in Farbe oder in Schwarz-Weiß meine Bilder mache. Meistens ist es eine klare Sache, wenn nicht, kommen auf jeden Fall zwei Kameras zum Einsatz.
Mein Schwerpunkt liegt jedoch eindeutig bei der Schwarz-Weiß-Fotografie. Ich finde die kreativen Möglichkeiten vielfältiger, als bei der Farbfotografie. Gerade durch die eigene Dunkelkammer erschließen sich vielfältigste Printmöglichkeiten. Normales Schwarz-Weiß, warm getont, kalt getont, Lith, unterschiedliche Papiere usw. Dazu kommt dann noch die Möglichkeit, die Bilder unterschiedlich ausarbeiten zu können. Möchte ich einen weichen Print, weil er so besser zum Thema passt oder möchte ich den Print eher hart? Wird ein helles Element im Bild nachbelichtet, damit es nicht so störend in Erscheinung tritt? Oder wedel ich einen bestimmten Bereich ab, um ihn besser heraustreten zu lassen? Am Ende entscheidet mein Gefühl, wie ich meine Abzüge anfertige.

Was inspiriert Dich?
Das Leben.

Wer ist Dein Lieblingsfotograf?
Jeanloup Sieff

Was fällt  Dir beim Fotografieren am Schwersten?
Eigentlich nichts. Wenn es um gute Motive geht, sollte man konsequent seinen Weg verfolgen, ohne jedoch jemand anders zu bedrängen oder dessen Persönlichkeitsrechte zu verletzten. Wenn ein Bild auf Grund bestimmter Umstände nicht realisierbar ist, dann finde ich mich damit ab. Diese Einsicht hat aber auch gebraucht.
Für mich wäre die Frage „Was fällt Ihnen VOR dem Fotografieren am Schwersten“ viel wichtiger. Zu aller erst muss eine Idee her. Klar, manchmal ergeben sich auch Bilder, die aus einem spontanen Ereignis (z.B. Streetfotografie) heraus entstanden sind. Auch gut. Aber gerade wenn man z.B. eine neue Ausstellung im Auge hat oder einfach mal wieder was neues probieren bzw. kreieren möchte, dann ist eine brauchbare Idee nicht schadhaft.
Zwischendurch plagt sich der geneigte Fotograf dann auch immer mal wieder mit erzwungenen Schaffenspausen, da weder brauchbare Ideen das Licht erblicken möchten oder der schlichte Tatendrang lustbedingt sich nicht einstellen möchte. Hier helfen auch keine blauen Pillen, hier ist Warten angesagt, bis eine das Ego erfüllende Idee geboren wird. Das Leben kann da viel bieten. Alles andere ist in den meisten Fällen ein einziger Krampf und führt oftmals nicht zu befriedigenden Ergebnissen.

Welche Ratschläge kannst Du Anfängern in der Analogfotografie geben?
Die selben, die ich auch einem Anfänger in der Digitalfotografie geben würde.
In meinen Augen ist die heutzutage so viel beworbene Technik einer Kamera eher zweitrangig. Viele unterliegen dem Irrtum, das bessere Technik auch besser Bilder macht. Wieso kann eine Chinesische Plastikkamera, trotz technischer Unzulänglichkeiten, ein emotionaleres Bild produzieren, als eine X-fach so teure Schwedin? In erster Linie macht das Auge und die hirntechnische Kreativabteilung, gepaart mit einem Schuss Bauch und Herz des Kamerabedieners das Bild. Dafür braucht man nicht viel Technik. Aus meiner Sicht eignet sich für eine(n) Anfänger(in) ein einfaches Kameragehäuse mit einer ordentlichen Festbrennweite. Für die Bildgestaltung ist der Fotograf nun gezwungen sich zu bewegen. Dies übt ungemein und hält obendrein auch fit. Dabei müssen auch mal Hindernisse überwunden werden und zwar nicht nur strategische sondern auch menschliche. Möchte ich z.B. eine Person in einer beliebigen Situation ablichten und dies möglichst nah, dann bin ich gezwungen mich dieser zu nähern, notfalls sogar das Gespräch mit ihm/ihr zu suchen. In vielen Fällen ergeben sich allein dadurch viele nette Begegnungen. Diese Art ist ehrlich, anders als mit einer dicken Zoomtüte aus sicherer Entfernung, hinter der Mülltonne kauernd, das heimliche Bild zu machen.
Am Ende verbindet man mit dem fertigen Bild auch Erinnerungen, die einem auch Jahre später ein bestimmtes Gefühl vermitteln. Dies kann schön sein oder aber auch unschön, aber es bleibt ein Gefühl und ohne Gefühl geht es in der Fotografie nicht.

zur Internetseite von Thomas Böttcher

2 total comments on this postSubmit yours
  1. Schöne Bilder 🙂

  2. Smarter Kerl. Schönes Interview und erst die Bilder …

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