Interview mit Andrej Below

Deine Fotografie ist für Dich …
Es ist meine Lieblingsbeschäftigung. Fotografie schafft für mich einen Ausgleich zum Alltäglichen. Sie bewegt mich dazu, die Welt unter einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.

Womit beschäftigst Du Dich beruflich (falls Fotografie nicht Dein Beruf ist)?
Bis vor kurzem habe ich Erziehungswissenschaft und Psychologie an der Bielefelder Universität studiert. Momentan bewerbe ich mich in meinem Beruf.

Erzähl bitte über Deine  Fotoreportage aus einer verlassenen Stadt in Polen „Klomino“ (wie und wann ist sie entstanden?)
Vor zwei Jahren habe ich im Internet zufällig über Klomino gelesen, dadurch wurde meine Neugier geweckt. Dann fing ich an Informationen zu sammeln, Artikel in Internet, Fotografien anderer Fotografen, Zeitungsartikel. Je mehr ich erfahren habe, desto mehr zog es mich nach Klomino. So entstand die Idee eine Fotoreportage zu machen. Angekommen bin ich zunächst in Borne Sulinowo, einem Städtchen mit ähnlicher Geschichte, wie die von Klomino. Borne ist aber eine bewohnte Stadt mit Lebensmittelgeschäften und einigen Hotels. Klomino befindet sich ca. 7 km von Borne entfernt. Mit einem Auto ist es fast unmöglich nach Klomino zu kommen. Es bot sich an, mit einem günstigen Leihfahrrad und einer Landkarte nach Klomino zu fahren. Der Weg führt über einen Truppenübungsplatz und über Waldwege. In Klomino angekommen, war kein einziger Mensch weit und breit, nur diese verlassenen Stadt, meine Kamera und ich. Ich habe den ganzen Tag in Klomino verbracht.
Was hast Du während des Aufenthalts in dieser Stadt gefühlt?
Erst war es unheimlich. Leere Häuser, leere Straßen. Irgendwo hat ein Hund gebellt. Dann hat mich die Neugier gepackt. Das Gefühl kann man schlecht beschreiben. Ich hoffe, ich konnte mit meinen Bildern die Stimmung vermitteln.

Was Deiner Meinung nach  erwartet Klomino in der Zukunft?
Momentan steht die ganze Stadt zum Verkauf. Ich denke es wird sich niemand finden, der sein Geld in diese Stadt investieren würde. Meiner Meinung nach, hat Klomino keine Zukunft, denn irgendwann werden die Häuser zerfallen und die Straßen nicht mehr befahrbar sein. Man sieht jetzt schon, dass sich in der Stadt die Natur breit macht. Die Pflanzen brechen den Asphalt auf. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis sich die Natur durchsetzt. Interessant wäre es die Stadt noch mal in 10, 15, 20 Jahren zu fotografieren, um auch diesen Prozess des Zerfalls festzuhalten.

An welchen Projekten arbeitest Du jetzt?
Die Faszination der verlassenen Städte hat mich gepackt. Noch in diesem Jahr plane ich eine Fahrt nach Tschernobyl. Außerdem sammle ich Requisiten für ein Fotoshooting in Stil der 1920er Jahre.

Wer ist Dein Lieblingsfotograf?
Es gibt nicht den Lieblingsfotografen, mir gefallen Fotografien alter russischer Fotografen, wie Boris Ignatowitsch, Maksim Dmitriev oder Jewgeni Chaldei. Dmitriev hat z.B. beeindruckende Fotoreportagen und er gilt auch als Begründer der russischen  Fotoreportage.  Aus aktuelleren Fotografen fällt mir Boris Michailow ein.

zur Internetseite von Andrej Below

1 comment on this postSubmit yours
  1. noch nie gehört von KLOMINO – wirklich verblüffend!

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