Interview mit Martin Hülle

Liebe Freunde,
wir freuen uns, euch einen Reisefotograf Martin Hülle und seine Fotoserie „Grönland – Unterwegs im ewigen Eis“ vorzustellen!

Deine Fotografie ist für Dich …
Als ich mit 17 Jahren anfing alleine größere Reisen zu unternehmen, war die Fotografie eine Möglichkeit, diese zu dokumentieren. Von da an ist die Reisefotografie ein ständiger Begleiter und eine Möglichkeit des persönlichen Ausdrucks und der Vermittlung der Erlebnisse.

Womit beschäftigst Du Dich beruflich (falls Fotografie nicht Dein Beruf ist)?
Seit 2004 bin ich freiberuflich als Fotograf und Reisejournalist tätig. Neben der Fotografie gehört also das Schreiben ebenso dazu. Die bildliche wie textliche Auseinandersetzung mit Erfahrungen und Emotionen ist ein interessantes Spannungsfeld. Mich nicht nur auf ein Medium zu konzentrieren, sondern die Geschichten meiner Reisen als „Komplettpaket“ ausarbeiten zu können, ist für mich ein Gewinn. Neben der fotografisch-journalistischen Arbeit bin ich auch viel mit der Organisation der Reisen und Expeditionen beschäftigt, die mich meistens zu Fuss oder im Winter mit Ski in abgeschiedene Regionen führen.

Was genau willst Du auf Deinen Fotos festhalten?
Es geht mir in erster Linie darum, Geschichten zu erzählen. Nicht zwingend rein objektiv, sondern gerne aus meiner Sicht und mit den Empfindungen, die ich an Ort und Stelle hatte.

Erzähl bitte über Deine Reisen nach Grönland …
Schon seit je her interessieren mich die nordischen Länder. Unweigerlich verschlug es mich irgendwann dann auch nach Grönland. Ziel war von Anbeginn eine Überquerung des grönländischen Inlandeises und mittlerweile ist mir das bereits zweimal auf mehrwöchigen Ski-Expeditionen geglückt. Das Innere Grönlands ist nur von Eis und Schnee bedeckt, menschenleer und leblos. Nur am Rande der großen Insel wohnen Inuit, Grönländer und Dänen. Die Touren über das Eis begannen in kleinen Dörfern an der Ostküste und führten zur bewohnteren Westküste. Während der Zeit auf dem Inlandeis, in der man nur in der Einsamkeit unterwegs ist, ist man völlig auf sich gestellt. Alle für das Überleben notwendigen Dinge stecken in den Pulka-Schlitten. Auf der ersten Expedition nutzten wir Parawings und die Kraft des Windes, um uns an einigen Tagen über das Eis ziehen zu lassen. So kamen wir schneller voran.

Was hat Dich in Grönland besonders stark beeindruckt?
Es ist vor allem die Weite der Landschaft. Der tief liegende Horizont. Die mächtige Natur, in der nur vereinzelt an den Küsten menschliches Leben zu finden ist. Auf dem Eis, wo in alle Himmelsrichtungen nichts als eine endlos erscheinende Schneefläche zu sehen ist, kommt man sich sehr klein vor. Doch es ist auch ein Raum des Träumens – von nichts wird der Blick und die Gedanken abgelenkt und man kann Schritt für Schritt, Tag für Tag seinen Träumereien nachgehen. Doch bei all den imposanten und ergreifenden Eindrücken des Eises, der Berge und Fjorde darf nicht vergessen werden, wie fragil das soziale Leben in Grönland ist. Wer als Tourist nach Grönland kommt, sieht meist nur das Schöne. Die Entfremdung der Grönländer von ihrer ursprünglichen Kultur, eine für viele ungewisse Zukunft und eine schon bei den Kindern einsetzende Ziellosigkeit führt zu einer hohen Selbstmordrate, Alkoholismus und innerhäuslicher Gewalt, die man selten direkt wahrnimmt. Es wird spannend sein zu sehen, wie das Land es schafft, alte Traditionen wie die Jagd mit modernen Lebensformen in Einklang zu bringen.

Was fiel Dir am schwersten während des Aufenthalts unter solch harten Bedingungen?
Wir waren bestens vorbereitet. Hatten monatelang dafür trainiert. Und bei schönem Wetter sind selbst eisige Temperaturen gut auszuhalten – immerhin hatten wir in den Nächten bis zu 30 Grad unter Null. Doch wenn Sturm aufzieht, das Inlandeis von Wolken eingehüllt wird und man kein Oben und Unten mehr unterscheiden kann und die Orientierung schwierig wird, dann ist es schon ein hartes Stück Arbeit, sich jeden Tag voran zu kämpfen. Umso schöner ist es dann, die feinen Nuancen der monotonen Natur zu erleben. Und letztendlich wieder in der Zivilisation anzukommen.

Wo möchtest Du Deine nächste Fotoreportage machen?
Die nächsten Reisen werden mich erneut in den Norden führen. In verschiedene Länder und Regionen am Nordmeer und den Rand des Eises. Wasser, Eis und Schnee könnte das Motto sein – in Norwegen, Island, Grönland und Spitzbergen.

Wer ist Dein Lieblingsfotograf?
Einer meiner Lieblingsfotografen ist der Isländer Ragnar Axelsson. Auch sein neuer Bildband „Die letzten Jäger der Arktis“ ist ein fesselndes Werk. Es sind seine atmosphärischen Schwarz-Weiss-Bilder, die das Leben der Menschen im hohen Norden in einer Kraft und Eindringlichkeit zeigen, wie sie sonst selten zu sehen ist. In gleichem Maße finde ich die Arbeit des jungen deutschen Nachwuchsfotografen Andy Spyra beeindruckend, der ebenfalls in Schwarz und Weiss eine ganz eigene Sicht und Sprache in seinen Bildern verdichtet und Aussergewöhnliches damit schafft.

zur Internetseite von Martin Hülle

1 comment on this postSubmit yours
  1. da kommt einem Grönland auf einmal richtig attraktiv vor!

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